Zur Quote in den Aufsichtsräten

Gastbeitrag für die MZ von Ingrid Asche, 1.Vorsitzende BPW Germany, Club Regensburg e.V.
„Die Zeit ist reif für eine gesetzliche Frauenquote“
 18. April 2013 

Alle sind sich einig, dass Frauen für Führungspositionen geeignet und bestens qualifiziert sind, niemand bestreitet, dass wir in Deutschlands Top-Führungsetagen viel zu wenig Frauen haben, fast alle kennen mittlerweile die Untersuchungen nach denen Unternehmen mit Männern und Frauen in Top-Positionen wirtschaftlich erfolgreicher sind und alle wissen, dass freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

Es gibt seit langem eine parteiübergreifende Mehrheit für eine verbindliche Frauenquote in den deutschen Führungsgremien und die Gesetzesinitiative des Bundesrates, über die es nun im Bundestag abzustimmen gilt, wurde mit den Stimmen aller Parteien beschlossen. Wo also ist das Problem?

Dass Unternehmen nicht an gesetzlichen Vorgaben interessiert sind, die ihre Entscheidungsfreiheit einschränken, ist verständlich, und dass kleine wirtschaftsliberale Parteien entsprechende Gesetzes-Initiativen nicht mittragen können, ist auch klar. Das darf die Politik jedoch nicht daran hindern, das Grundgesetz umzusetzen.

„Koalitionsdisziplin steht nicht über dem Grundgesetz“, erklärt Monika Schulz-Strelow, die für ihre Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte FidAR“ erst vor kurzem den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten hat. „Jetzt ist ein klares Bekenntnis gefragt. Auch Bundeskanzlerin Merkel kann nun zeigen, wie ernst sie Chancengleichheit nimmt und Führungsstärke beweisen. Statt vermeintliche „Abweichler“ auf Linie zu bringen, geht es darum, die klare Forderung des Grundgesetzes nach Gleichberechtigung auch in den Führungsgremien der Wirtschaft durchzusetzen.“

Dabei geht es um weit mehr als die Aufsichtsräte: Letztlich geht es um eine faire Bewertung der Arbeit, die Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft leisten. Und es geht auch nicht um einzelne Frauen, die befürchten, über eine Frauen-Quote eine Karriere-Chance zweiter Klasse zu bekommen. Es geht auch in Führungspositionen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das nützt nicht nur den Frauen, sondern sichert einer Gesellschaft mit negativer Bevölkerungsentwicklung die Existenz. Die Zeit ist reif für eine verbindliche gesetzliche Regelung zur geschlechtergerechten Besetzung von Entscheidungsgremien der Wirtschaft.

Alle Politikerinnen und Politiker, die die „Berliner Erklärung“ und damit auch die Gesetzesinitiative für eine verbindliche Geschlechterquote in Aufsichtsräten börsennotierter und mitbestimmter Unternehmen bisher unterstützt haben, mögen doch bitte auch heute im Bundestag ihrer Überzeugung entsprechend abstimmen.

 
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